28.01.2019

Digitale Revolution: Wie Big Data und Data Mining die Pharmawelt verändern

Neue Chancen


Die Digitalisierung eröffnet die Chance, ganze Geschäftsfelder zu revolutionieren. Viele Branchen hinken beim Einsatz neuer Digitaltechnologien allerdings hinterher – auch die Gesundheitsbranche1. Ein Vorreiter in Sachen Digitalisierung und Datenauswertung will jetzt allerdings das Pharmaunternehmen Novartis werden – und ist auf dem besten Weg dazu.

Mit neuen digitalen Techniken, wie Big Data und Data Mining will das Unternehmen etwa Informationen, die in den letzten 20 Jahren in Klinischen Studien erhoben wurden, denen bisher aber keine Aufmerksamkeit geschenkt wurden, auswerten und für die Entwicklung neuer Wirkstoffe nutzen. Weiterhin ist Novartis in der Lage, auch die aktuellen rund 500 Studien täglich und in Echtzeit mit Künstlicher Intelligenz zu verfolgen. Damit kann das Unternehmen nicht nur Kosten sparen, sondern auch wirksame Medikamente für Patienten schneller verfügbar machen.2

Vertrauensgewinn


Digitale Techniken haben aber noch viel mehr Potenzial: Vor dem Hintergrund, dass es um den Ruf der Gesundheitsbranche nicht zum Besten bestellt ist3, bietet sich jetzt die Chance, einiges wieder gut zu machen und wieder mehr Vertrauen zu gewinnen. Das hat auch die Pharmaindustrie erkannt, die sich bereits mit digitalen Anwendungen am Bedarf der Patienten orientiert, um ihnen dabei zu helfen, ein gesundes Leben zu führen oder ihr Leben mit einer Krankheit zu erleichtern.

Rückendeckung gibt es derweil auch von der Politik: So soll es etwa die von Gesundheitsminister Spahn und vom Deutschen Ärztetag befürwortete Telemedizin ermöglichen, dass Ärzte künftig unter bestimmten Voraussetzungen ihre Patienten auch ohne vorherigen persönlichen Erstkontakt ausschließlich telefonisch oder per Internet behandeln dürfen. Das erspart Wege und Wartezeiten und wirkt aktuellen Herausforderungen, wie der Problematik der zunehmenden Unterversorgung im ländlichen Bereich, entgegen. Auch das längst überfällige digitale Rezept ist damit nur noch eine Frage der Zeit4. Auch Novartis will Distanzen überbrücken und etwa mit einer eigens entwickelten App Patienten die Teilnahme an Studienprogrammen erleichtern. Patienten, die in eher abgelegenen Gegenden leben, können so von zu Hause aus an den Programmen teilnehmen, ohne in regelmäßigen Abständen eine weiter entfernte Klinik besuchen zu müssen.

Lebensrettender Service


Dass digitale Technologien unter Umständen sogar Leben retten können, macht ein weiteres Beispiel deutlich: Alleine in Deutschland sterben rund 25.000 Menschen an den Folgen falsch kombinierter Arzneimittel. Ausgehend davon, dass Beipackzettel oft unverständlich sind und zu Missverständnissen führen können, entwickelten zwei Studentinnen die App Simpill. Der digitale Medikamenten-Assistent erinnert an die Einnahme von Tabletten, bietet aber noch mehr Services, wie etwa personalisierte Beipackzettel und individualisierte Verträglichkeits-Checks.5

Potential für die Zukunft

Die Pharmabranche steht hinsichtlich des Einsatzes neuer Digitaltechnologien erst in den Startlöchern. Man darf gespannt sein, welche patientenzentrierten Lösungen in den nächsten Monaten auf den Markt kommen, um verlorenen Boden wieder gut zu machen. Zum Beispiel könnten gerade bei chronischen und sehr komplexen Krankheitsdiagnosen und -verläufen zielgerichtete Apps die Versorgungslücke zwischen Arzt und Medikamentenhersteller schließen und somit eine adäquate Betreuung gewährleisten – ganz nach dem Motto der Reformpädagogin Maria Montessori: „Hilf mir, es selbst zu tun“.